Das war meine erste Saison in der Klasse 250, so dass dieses Rennen mein erster Grand Prix auf heimischem Boden war. Als Zehnter ins Ziel zu kommen war schon eine tolle Erfahrung und ich muss daher ehrlich zugeben, dass ich ein Faible für den Sachsenring habe.
Er liegt acht Kilometer westlich von Chemnitz und besitzt eine lange Motorrad-Geschichte als Gastgeber des Ostdeutschen Grand Prix. Damals handelte es sich allerdings um eine Straßenstrecke mit einer Länge von fast zehn Kilometern und ähnelte einer Mini-Ausführung der Isle of Man. Nachdem sich die Sicherheitsnormen im Sport und die deutsche Politk änderten, entschied man sich für den Bau einer kurzen, engen Rennstrecke im Schatten des Ankerbergs.
Der Berg verleiht diesem Grand Prix enorm viel Atmosphäre, der – so unglaublich es auch klingen mag – das größte jährlich stattfindende Sportereignis in Deutschland ist: größer als die Formel-1-Rennen; sogar größer als Fußballspiele! Obwohl der MotoGP im Fernsehen nicht annähernd so beliebt ist wie zum Beispiel in Spanien oder in Italien, herrscht dennoch sehr viel Begeisterung für dieses Rennen und es ist eine echte Freude, dabei zu sein.
Die Zuschauerzahlen sind sprunghaft angestiegen, und in diesem Jahr werden weit über 10000 Fans zum Rennen erwartet, 250000 und mehr über die drei Veranstaltungstage. Viele werden unter den Bäumen des Ankerbergs campen und alle werden sich bestens amüsieren.
Die Rennstrecke ist mit nur 3671 Kilometern Länge äußerst kurz und aufgrund des engen Innenabschnitts auch eine der langsamsten MotoGP-Strecken. Aufgrund des Verlaufs gegen den Uhrzeigersinn werden die linken Reifenseiten enorm beansprucht. Die Strecke umfasst nicht weniger als 13 Linkskurven im Vergleich zu nur drei Rechtskurven, was eindeutig zeigt, wie stark die linke Seite beansprucht wird. Auch die Bremsen werden durch die Stopp-Start-Fahrweise in manchen Abschnitten hart rangenommen.
Das Kurvenverhalten ist der Schlüssel zu dieser Rennstrecke und du benötigst idealerweise ein Zweirad, mit dem sich leicht die Richtungen wechseln lassen und das dir das nötige Selbstvertrauen gibt. Die derzeitigen MotoGP-Räder sind vermutlich zu groß für diese Strecke – der Streckenverlauf passt besser zu den 125er- und Moto2-Maschinen, deren Rundenzeiten fast so schnell sind wie der der großen Jungs – es bedarf also eher Wendigkeit als nur reiner Kraft.
Ferrari verschaffte PUMA mit dem Sieg in Silverstone am letzten Wochenende einen unglaublichen Ansporn und ich wäre begeistert, wenn Ducati das gleiche hier vollbringen würde. Obwohl ich dem Team die Daumen drücke, glaube ich, dass sie noch viel Arbeit vor sich haben, bevor sie gegen Honda und Yamaha ankommen können. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass Valentino Rossi, Nicky Hayden und die anderen Teammitglieder ihr Bestes geben werden. Ich weiß ganz sicher, dass dem so ist.
Casey Stoner auf der Honda sehen stark aus, aber wir sollten nie Yamahas führenden Champion Jorge Lorenzo unterschätzen, während Marco Simoncelli schon eine ganze Weile seinen ersten Sieg androht und den vermutlich auch erringt, wenn er etwas ruhiger wird.
Es wird jedoch eine Menge vom Wetter abhängen. Die ersten Wettervorhersagen kündigten starke Regenfälle an, aber die Vorhersagen wurde immer besser, je näher der Renntag rückte, und am Freitag ist es trocken, aber kühl und extrem windig, was manchen sicherlich auch Probleme bereiten wird.
Aber das gehört alles zu der Herausforderung, und ich freue mich wirklich auf eine weitere Ausgabe meines Heimat-Grand-Prix, die gleichzeitig die Halbzeit der Saison markiert. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, als wir zum Eröffnungsrennen nach Katar abreisten!