Interview mit Eddie Jordan

Ejfinal

Letzte Woche haben wir uns mit dem PUMA Motorsport-Experten, ehemaligen Teamchef und Formel 1 Allround-Guru Eddie Jordan unterhalten und ihm eure Fragen aus der PUMA Community gestellt!

Im ersten Teil erläutert Eddie seine Meinung zur möglichen Serie an Aureißern, neuen Reifen und Rennreglements sowie seine Experteneinschätzung zu seinen Lieblingsfahrern. Verpasse nicht Teil Zwei am Ende der Woche.

ZSOLTI PÁL: Was denkst du über die Ausreißer-Serie, von der Montezemolo derzeit spricht? Kann ein Team wie Ferrari ohne die Formel 1 bestehen und umgekehrt?

EJ: Also, so gut Luca di Montezemolo und so stark Ferrari auch sind, ich glaube, die Formel 1 braucht Ferrari, aber noch mehr braucht Ferrari die Formel 1. Ich denke, das Ganze ist eher eine Strategie, um mehr von dem Pott abzubekommen, den Bernie (Ecclestone) kontrolliert.

WILSON WILASAN: Derzeit haben wir tolle Autos und tolle Fahrer. Was ist deiner Meinung nach wichtiger für den Erfolg?

EJ: Also, das beste Auto gewinnt kein Rennen ohne einen erstklassigen Fahrer. Und ein erstklassiger Fahrer gewinnt kein Rennen ohne ein entsprechend gutes Auto. Es ist also wie mit dem Huhn und dem Ei. Keiner kann so genau sagen, was zuerst da war. Ich denke, beides muss zusammenpassen. Aber eines ist sicher: Die besten Fahrer landen irgendwann immer in den besten Autos. Deshalb üben Ferrari, McLaren und Red Bull momentan eine so große Anziehungskraft aus. Red Bull ist natürlich noch recht neu – früher einmal war Williams ganz vorne mit dabei. So läuft das eben. Wenn man es so betrachtet, kann man also unmöglich sagen, was von beiden wichtiger ist. Als Teamchef tendierte ich natürlich immer dazu, zu sagen, dass das Auto ausschlaggebend ist. Wir haben immer von 25 % Fahrer, 75 % Auto gesprochen. Dieses Verhältnis würden wohl die meisten Leute als angemessen betrachten.

YASMIN: Welchen Fahrer interviewst du am liebsten, und warum?

EJ: Da gibt es mehrere. Vettel ist witzig und lebhaft – mit ihm kann man über alles Mögliche sprechen (nicht nur über den Motorsport). Wir sprechen oft über Musik, denn das ist für ihn eine ganz wichtige Sache. Kobayashi ist ein sehr umgänglicher Typ mit einer entspannten, lockeren Art. Ihn muss man einfach mögen. Jenson Button als Weltmeister ist natürlich eine Klasse für sich. Ich war begeistert, wie er im Motorsport ganz neue Perspektiven eröffnet hat. Lewis (Hamilton) wäre in meiner Liste der Besten aller Zeiten auch ziemlich weit oben – obwohl es nicht immer leicht war, ihn vor einem Start zu interviewen. Jeder Fahrer ist anders oder möchte sich im Rennsport anders darstellen. Zu Rubens (Barrichello) hatte ich ein ganz besonderes Verhältnis. Er kam mit 19 zu mir und ich habe ihn praktisch aufwachsen sehen. Heute ist er einer der ganz Großen und hält den Rekord für die meisten Grand-Prix-Erfolge. In diesem Sinne ist er ein toller Botschafter für den Sport. Aber ich finde, die meisten Fahrer sind wirklich nette Kerle, was es für mich recht einfach macht. Sie sind sich alle ähnlich, aber bei näherem Hinsehen doch sehr unterschiedlich.

HELGARD ACKERMANN: Was hältst du von den neuen Pirelli-Reifen und dem Zeittraining in seiner aktuellen Form? 

EJ: Wenn sie die Reifen nach einem konkreten Auftrag entwickelt haben – und ich denke so war es – sind sie absolut genial. Sie hätten auf keine bessere Lösung kommen können. Ich meine, es ist nicht so einfach, die Materialzusammensetzung und den Reifenaufbau so hinzubekommen, dass er auch tatsächlich das macht, was er soll. Gefordert war ein weicherer, weniger beständiger Reifen, der sich stärker abfährt, wodurch mehr Boxenstopps nötig werden. Und genau das haben sie geliefert. Das Überholen wird damit in der Formel 1 wichtiger denn je.

ZSOLTI PÁL: Denkst du, dass die ständigen Änderungen des Reglements und des Zeittrainingformats gut für den Sport sind?

EJ: Also vor zwei Jahren waren sich alle einig, dass sich etwas ändern muss. Letztes Jahr gab es schon ein paar Änderungen, und das Ergebnis waren aufregende Rennen. Mit den neuen Änderungen kann es also nur noch spannender werden. Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass mich die neuen Regeln stören würden. Aber für Martin (Brundle) und David Coulthard wird es sicher schwieriger, die Rennen zu verfolgen. Man kann ja nicht einmal blinzeln, ohne etwas zu verpassen! Man kann nicht mehr einem Auto mit der Kamera in die Boxengasse folgen, denn in der Zwischenzeit könnte man zwei bis drei Überholmanöver verpassen. Das verlangt mehr Konzentration und daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Es passiert so viel, dass ich am Ende eines Rennens vollkommen erschöpft bin, und ich möchte gar nicht wissen, wie es den Kommentatoren ergeht.

Motorsport

Kommentare

Sag deine Meinung 2

Pál Zsolt

Von Biborteni, Covasna
Great! Thanks! Can't wait for the second part
25. Mai 2011

Blaze

Von Heck yeah this is exactly what I neeedd.
Heck yeah this is exactly what I neeedd.
16. Aug 2011